Die Europäische Hymne
Mit dem letzten Satz dieser Symphonie vertonte Beethoven die "Ode an die Freude" von Friedrich von Schiller aus dem Jahr 1785. Dieses Gedicht entsprang Schillers idealistischer Vision der Menschen, die zu Brüdern werden - einer Vision, die Beethoven teilte.
1972 nahm der Europarat (dieselbe Organisation, die die europäische Flagge entworfen hatte) Beethovens "Ode an die Freude" als eigene Hymne an. Der bekannte Dirigent Herbert von Karajan wurde damit beauftragt, drei Instrumentalfassungen - für Solopiano, Blas- und Symphonieorchester - zu arrangieren. Ohne Worte, in der universalen Sprache der Musik, ist die Hymne Ausdruck der idealistischen Werte Freiheit, Frieden und Solidarität, für die Europa steht.
1985 wurde sie von den Staats- und Regierungschefs der Union als offizielle Hymne der EU angenommen. Sie soll die Nationalhymnen der Mitgliedstaaten nicht ersetzen, sondern versinnbildlicht die Werte, die sie alle teilen sowie die Einheit in der Vielfalt. Es wird jedoch, genau wie die anderen Symbole der EU nicht im geltenden Vertrag von Lissabon genannt, in dem mit Rücksicht auf nationale Befindlichkeiten, auf Regelungen zu den (staatstypischen) europäischen Symbolen wie Europaflagge, Europahymne und Europatag verzichtet wird (mehr>> zu diesem Thema).
Europäische Hymne anhören:
Hier kann man sich die Hymne anhören oder als mp3-Datei herunterladen (Instrumental: Aufnahme des Jugend-Blasorchesters der Europäischen Union unter der Leitung von André Reichling von 1994 im Teatro da Trindade, Lissabon. Musikalische Bearbeitung: Herbert von Karajan).
Text "Ode an die Freude":
Ode an die Freude
(von Friedrich von Schiller)
Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken
Himmlische, dein Heiligtum.
Deine Zauber binden wieder,
Was die Mode streng geteilt;
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.
(Chor)
Seid umschlugen, Millionen!
Diesen Kuss der ganzen Welt!
Brüder- überm Sternenzelt
Muss ein lieber Vater wohnen.
Wem der große Wurf gelungen,
Eines Freundes Freund zu sein;
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!
Ja - wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wers nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!
(Chor)
Was den großen Ring bewohnet,
Huldige der Sympathie!
Zu den Sternen leitet sie,
Wo der Unbekannte thronet.
Freude trinken alle Wesen
An den Brüsten der Natur,
Alle Guten, alle Bösen
Folgen ihrer Rosenspur.
Küsse gab sie uns und Reben,
Einen Freund, geprüft im Tod.
Wollust ward dem Wurm gegeben,
Und der Cherub steht vor Gott.
(Chor)
Ihr stürzt nieder, Millionen?
Ahnest du den Schöpfer, Welt?
Such ihn überm Sternenzelt,
Über Sternen muss er wohnen.
Freude heißt die starke Feder
In der ewigen Natur.
Freude, Freude treibt die Räder
In der großen Weltenuhr.
Blumen lockt sie aus den Keimen,
Sonnen aus dem Firmament,
Sphären rollt sie in den Räumen,
Die des Sehers Rohr nicht kennt.
(Chor)
Froh, wie seine Sonnen fliegen,
Durch des Himmels prächtigen Plan,
Laufet, Brüder, eure Bahn,
Freudig wie ein Held zum Siegen.
Aus der Wahrheit Feuerspiegel
Lächelt sie den Forscher an.
Zu der Tugend steilem Hügel
Leitet sie des Dulders Bahn.
Auf des Glaubens Sonnenberge
Sieht man ihre Fahnen wehn,
Durch den Riss gesprengter Särge
Sie im Chor der Engel stehn.
(Chor)
Duldet mutig, Millionen!
Duldet für die bessre Welt!
Droben überm Sternenzelt
Wird ein großer Gott belohnen.
Göttern kann man nicht vergelten,
Schoen ists, ihnen gleich zu sein.
Gram und Armut soll sich melden,
Mit den Frohen sich erfreun.
Groll und Rache sei vergessen,
Unserm Todfeind sei verziehn,
Keine Träne soll ihn pressen,
Keine Reue nage ihn.
(Chor)
Unser Schuldbuch sei vernichtet!
Ausgesöhnt die ganze Welt!
Brüder - überm Sternenzelt
Richtet Gott, wie wir gerichtet.
Freude sprudelt in Pokalen,
In der Traube goldnem Blut
Trinken Sanftmut Kannibalen,
Die Verzweiflung Heldenmut -
Brüder, fliegt von euren Sitzen,
Wenn der volle Römer kreist,
Lasst den Schaum zum Himmel spritzen:
Dieses Glas dem guten Geist.
(Chor)
Den der Sterne Wirbel loben,
Den der Seraphs Hymne preist,
Dieses Glas dem guten Geist
Überm Sternenzelt dort oben!
Festen Mut in schwerem Leiden,
Hilfe, wo die Unschuld weint,
Ewigkeit geschwornen Eiden,
Wahrheit gegen Freund und Feind,
Männerstolz vor Königsthronen -
Brüder, gält es Gut und Blut, -
Dem Verdienste seine Kronen,
Untergang der Lügenbrut!
(Chor)
Schließt den heilgen Zirkel dichter,
Schört bei diesem goldnen Wein:
Dem Gelübde treu zu sein,
Schwört es bei dem Sternenrichter!
Rettung von Tyrannenketten,
Großmut auch dem Bösewicht,
Hoffnung auf den Sterbebetten,
Gnade auf dem Hochgericht!
Auch die Toten sollen leben!
Brüder trinkt und stimmet ein,
Alle Sünden soll vergeben,
Und die Hölle nicht mehr sein.
(Chor)
Eine heitre Abschiedsstunde!
Süßen Schlaf im Leichentuch!
Brüder - einen sanften Spruch
Aus dem Totenrichters Munde
Text Europa Hymne (deutsch):
Europa ist nun vereint
Und vereint möge es bleiben;
seine Einheit in der Vielfalt
Möge zum Weltfrieden beitragen.
Immer mögen in Europa herrschen
Glaube und Gerechtigkeit
und die Freiheit seiner Völker
In einem größeren Vaterland.
Bürger, Europa möge blühen,
eine große Aufgabe ruft Euch.
goldene Sterne am Himmel sind
die Symbole, die uns verbinden mögen.
Weitere Hintergrundinformationen zur Entstehunggeschichte findet man hier.
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